Made in France oder eben doch Multikulti?

Made in France oder eben doch Multikulti?

Den gestrigen 31. März — den Tag des Eiffelturms (engl. National Eiffel Tower Day), mit dem man wohlbemerkt in den USA – nicht in Frankreich – das berühmte Pariser Bauwerk ehrt, wollen wir von weis weltweit zum Anlass nehmen für eine kleine Exkursion in die französische Sprache.

Um was geht es bei diesem Ehrentag des Tour Eiffel? Dazu nur ganz kurz: es ist explizit ein US‐amerikanischer Feiertag, mit dem die Fertigstellung des berühmten 324 Meter hohen Eisenturms in Paris am 31. März 1889 nach genau zwei Jahren, 2 Monaten und 5 Tagen gewürdigt werden soll. Die Betonung der US‐amerikanischen Herkunft spielt im vorliegenden Kontext insofern eine nicht unwesentliche Rolle, als dass die Franzosen solche Anlässe ja eher an ihrem Nationalfeiertag am 14. Juli des Jahres würdigen würden.

Ja, die Franzosen sind schon ein sehr eigensinniges aber auch extrem liebenswertes Volk, ich weiß wovon ich rede. Habe ich doch jahrelang dort gelebt und u.a. in Paris mit Blick auf den Eifelturm studiert. Zurück zur eigentlichen Geschichte…

Frankreich gibt den Kampf gegen englische Wörter auf

Mehr als 20 Jahre hat Frankreich sich per Gesetz gegen das Eindringen von Anglizismen in ‚ihre‘ Sprache gewehrt. So etwas war weltweit einzigartig. Die jetzige Regierung hält
derartige Maßnahmen allerdings für nutzlos. Sind doch fremde Wörter für die Sprache eine Bereicherung.

Die Franzosen haben nicht nur viele englische Wörter übernommen. Sie haben auch etliche erfunden, die es so im Englischen/Amerikanischen gar nicht gibt.

Absurditäten wie le must und luncher kennen wir zwar auch hierzulande, aber die Franzosen übertreffen uns noch mit ihrer Manie, an englische Wörter ein systemwidriges
–ing anzuhängen und so Ausdrücke zu schaffen, die es nur bei ihnen gibt. Das reicht von le shampooing über le lifting bis hin zu le fooding (Essen im Restaurant) – nicht zu verwechseln mit le footing (Joggen). Am meisten gruselt es Engländer und Amerikaner vor le baby‐foot (Tischfußball), besonders lustig finden sie hingegen le talkie‐walkie
(Englisch walkie‐talkie), flipper (für ausflippen) etc.

Wenn sich dennoch hierzulande das Bild von den starr‐ bis irrsinnig gegen englische Einflüsse kämpfenden Franzosen so hartnäckig hält, liegt das vor allem an besagtem „Loi Toubon“. Dieses wurde im August 1994 auf Veranlassung des damaligen Kulturministers Jacques Toubon erlassen. Danach musste jeder englische Werbespruch ins Französische übersetzt werden, und vor allem im amtlichen Französisch wurden zahlreiche Lehnwörter durch französische Neubildungen ersetzt. Für uns Übersetzer ein nicht immer so einfaches aber auch sehr spannendes Unterfangen.

Manches davon hat sich tatsächlich durchgesetzt, Franzosen sagen tatsächlich ordinateur statt Computer und logiciel für Software. Der Kampf gegen das Franglais (das Vorbild übrigens für unser Wort Denglisch) nahm bisweilen bizarre Züge an.

Mehr als 20 Jahre nach dem Gesetz Toubon hat sich die französische Regierung offiziell und ohne großes Trara wieder davon verabschiedet. Aber keine Sorge, diese wunderschöne Sprache ist dennoch nicht in Gefahr, sie wird weltweit von circa 274 Millionen Menschen auf fünf Kontinenten gesprochen. In 13 Staaten ist sie alleinige Amtssprache, in weiteren 16 eine von mehreren.

Das Französische hat sich im Laufe seiner Geschichte mit Beiträgen aus höchst unterschiedlichsten Sprachen und Zivilisationen bereichert – und das nicht nur aus dem Englischen/Amerikanischen, ebenso aus dem Arabischen, Niederländischen, Italienischen, Spanischen, Deutschen, Japanischen etc.

Unsere Welt ist bunt und Multikulti ist etwas sehr Gewinnbringendes!!!

In diesem Sinn wünscht weis weltweit: Happy National Eiffel Tower Day und einen guten Start in den April!